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Monikas Wohlfühlecken in (und um) Hannover

Monika Dürrer

Ich kam vor ziemlich genau fünf Jahren nach Hannover. Was kannte ich bis dahin eigentlich schon von der Stadt? Ganz ehrlich, nicht sonderlich viel… Den Maschsee, vielleicht noch den Zoo, Hannover 96 und seine Ultras, Klaus Meine und seine Skorpione, Gerhard Schröder, Lena Meyer-Landrut, Christian und Bettina Wulff, ihr Bobby Car und das Expo 2000 Gelände. Aus dem Erdkunde Unterricht war bei mir noch hängen geblieben, dass Hannover an der Leine liegt. Der Fluss kann nichts dafür, aber „an der Leine“ klingt schon ein bisschen kurz gehalten, ein bisschen wie angezogene Handbremse.

Stadt für den zweiten Blick – oder: Kennen Sie schon Celle?

Mein erster Eindruck war dann auch durchaus verhalten euphorisch. Ja, alles ganz nett hier und ruhig. Wird bestimmt noch! Ich merkte allerdings schnell: zu wirklicher Begeisterung neigt der Hannoveraner eher selten. Und so erfuhr ich, dass er selbst seine Stadt als eine „Stadt für den zweiten Blick“ tituliert. Hochinteressant! Würde das ein Hamburger sagen? Hamburg, meine Ersatzperle, das Tor zur Binnenalster? Oder nehmen Sie Berlin. Den von sich und seiner Stadt restlos begeisterten Berliner kann man ja bisweilen nur schwer davon überzeugen, dass auch die übrige Bundesrepublik durchaus schon ans Wasser- und Stromnetz angeschlossen ist, geschweige denn, dass es dort auch Sehenswürdigkeiten, Kunst und Kultur gibt. Dem Berliner fiel im Traum nicht ein, seine Stadt hinter irgendetwas anderes zu stellen. Selbst in Osnabrück habe ich entdeckt, ist man weit selbstbewusster und stolzer auf seine Stadt als in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Mag sein, dass dies am Westfälischen Frieden (in Münster und Osnabrück zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges geschlossen) und der Zugehörigkeit zum in sich ruhenden Westfalen liegt. Egal. Mit dieser Haltung – Stadt auf den zweiten Blick – ist es jedenfalls auch schwer, als Besucher oder Neubürger in Hannover Tipps und Empfehlungen zu bekommen, was man denn unbedingt mal ansehen und kennenlernen sollte. Ich habe wirklich von jemandem den Tipp bekommen, ich solle mal nach Celle fahren. Das sei ganz hübsch dort.

Wer suchet, der findet

Nun, was blieb mir übrig? Ich machte mich selbst auf den Weg, um mein Hannover zu entdecken und es mir selbst zu erschließen. Und siehe da – ich habe schöne Ecken gefunden. Mit der Zeit wurden es immer mehr, ein paar davon auch jenseits der Stadtgrenzen, im Umland. Meine Wohlfühlecken von Hannover möchte ich deshalb hier vorstellen. Vielleicht inspirieren sie den einen oder die andere, die auch nur spärliche Ratschläge aus ihrem persönlichen Umfeld bekommen. Und ganz sicher gibt es noch viel mehr Wohlfühlecken von und für Menschen um die 50, die wir uns gegenseitig empfehlen und hier teilen können. Ich gehe bei meinen Tipps nur auf meine persönlichen Eindrücke und Gründe ein, warum mir diese Orte einfach gefallen. Alle offiziellen, geographischen, geschichtlichen und sonstigen Daten findet – wer will – im Netz, in Stadtführern und anderen schlauen Werken.

Mittellandkanal

Meine Wohlfühlecken in (und um) Hannover - Mittellandkanal

Der Kanal ist einfach zu jeder Jahreszeit wunderschön. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken, faszinierende Eindrücke vom Wasser, vom Licht und den Wolken sowie von Flora und Fauna zu gewinnen. Egal, ob man joggt, radelt, spazieren geht oder – wie ich – gerne ein bisschen flotter am Ufer entlang marschiert: wer die Sinne öffnet, kann hier prima entspannen, genießen und reflektieren.

Beide Uferseiten bieten zumeist befestige Wege in direkter Ufernähe. Dank der vielen Brücken kann man die Länge seiner Tour nach persönlichem Gusto gestalten und seinen eigenen Rundweg finden. Ich persönlich starte gerne an der Brücke Schierholzstraße. Ob ich dann Richtung Noltemeyerbrücke oder Schleuse Anderten gehe, entscheide ich je nach Jahres- oder Tageszeit: wo scheint die Sonne, wo geht sie auf oder unter und wohin fällt der Schatten?

Mittellandkanal – Schierholzstraße bis Noltemeyerbrücke

Von der Schierholzstraße entlang des Mittellandkanals in Richtung Westen, zur Noltemeyerbrücke ist – fast logisch – die Sonnenuntergangsstimmung oft beeindruckend. Am Nordufer geht man eine lange Strecke nah am Ufer entlang. Irgendwann geht’s dann leicht nach oben, über einen Holzsteg, der über einen kleinen Wasserarm führt. Dort geht es entlang eines parkartigen Gebiets mit vielen Laubenpiepern, also einer friedlichen Kleingartenkolonie. Von hier aus entdeckt man schon die Flügel der Buchholzer Mühle, die früher einmal ein Restaurant war. Heute ist sie bewohnt, aber immer noch schön anzuschauen. Weiter geht’s Richtung Noltemeyerbrücke, kurz davor hinüber zum Meersmannufer und lässig wieder zurück.

Mittellandkanal – Schierholzstraße bis zur Schleuse in Anderten

Die Strecke von der Schierholzstraße bis zur Schleuse Anderten und zurück ist schon ein etwas größerer Spaziergang. Allerdings Vorsicht: Es ist kein kompletter Rundweg möglich. Zwischen der Hannoverschen Straße und der Schleuse führt auf der Nordseite kein Weg am Ufer entlang, sondern man landet im Hafen- und Gewerbegebiet Anderten. Hier also lieber am Südufer bleiben. Die Schleuse ist ein lohnendes Ausflugsziel. Selbst wenn man es weiß und auch schon oft zugeschaut hat, wie Schiffe in solchen Anlagen nach oben oder nach unten gepumpt werden, finde ich es immer wieder faszinierend zuzuschauen. Bis zu 22.000 Schiffe sollen es hier laut Wiki pro Jahr sein. Da hat man also gute Chancen, diesen Lifta der Schifffahrt tatsächlich in Aktion zu erleben. Der gesamte Uferweg verläuft streckenweise in der Nähe von Wohnbebauung, durch parkähnliche Flächen und bietet immer wieder kleine Aussichtsbereiche und Punkte zum Verweilen. Ein schönes Refugium für Angler, Hundefreunde und im Sommer kann man sogar schon mal wagemutige Schwimmer beobachten. Es ist tatsächlich nicht verboten. Aber sicherlich auch nicht jedermanns Sache. Im Sommer ist der Erlebnis Biergarten Anderten auf jeden Fall einen Abstecher wert. Super entspannt und unaufgeregt mit ein bisschen Wild West Atmosphäre, meistens läuft dort Musik der 70er und 80er Jahre und es ist die Homebase des Hannover Stampeders American Football Clubs. Diesem ältesten aktiven Football Club Hannovers kann man hier bisweilen beim Training oder beim Spiel zuschauen. Auch wenn man nichts davon versteht – irgendwie cool.

Hermann-Löns-Park

Der Hermann-Löns-Park liegt in direkter Nähe zum Tiergarten. Zwischen beiden Parks verläuft eine stark befahrene Bahnlinie. Die Züge fahren in kurzen Abständen über eine alte, kleine Steinbrücke, unter der Fußgänger und Radfahrer bequem her gehen können. Ein ausgedehnter Spaziergang durch beide Parks zusammen bietet sich an. Der Hermann-Löns-Park wurde Mitte der dreißiger Jahre als Volkspark – dem damaligen Zeitgeist entsprechend – angelegt. Man träumte damals sogar davon, Hannover zu der deutschen Stadt mit den schönsten und üppigsten Parks zu machen.

Nun, es kam anders: Hannover wurde nach dem Krieg zur autogerechten Stadt – stand also mehr für Parken als für Parks. Schade eigentlich, denn die Parkanlagen der Stadt sind immer noch richtig schön. Der Hermann-Löns-Park besticht trotz oder vielleicht gerade wegen seiner sehr konstruierten Gestaltung und wirkt an einigen Stellen bisweilen sogar etwas skurril. Gleich hinter der Bahnbrücke findet man einen steinernen Wegweiser „Kaffeewirtschaft zur alten Mühle“, optisch einem alten Grabstein nicht unähnlich. Mit etwas Pflege fiele er als Zeitzeuge sicherlich mehr auf. Die Bockwindmühle ist hingegen optisch noch recht gut in Schuss und auf ihrem Hügel gut zu sehen. Sie wurde tatsächlich nur zur Zierde in den Park geholt. Nachdem sie zunächst mitten in der Stadt beim Aegi, später dann auf dem Platz beim Opernhaus und schließlich im Kreis Celle gestanden und dort überall auch noch Getreide gemahlen hatte, konnte sie mit den industriellen Methoden schließlich nicht mehr konkurrieren. So kaufte Hannover sie zurück und stelle sie im Park zur Besichtigung auf.

Ein Besuchermagnet ist natürlich auch der große Annateich, den man komplett umrunden kann. Auf der einen Seite trifft man da auf eine große Gartenkolonie, dann auf das Kleefelder Annabad und schließlich daneben auf das Annastift. Auf dem Gelände des Stifts fällt sofort die dreieckige Kapelle als Blickfang auf, die dem Besucher buchstäblich eine Ecke zur Ruhe und inneren Einkehr bietet. Im kleinen Park gefiel mir das mehrgliedrige bunte Herz im Baum, das sich im Wind dreht. Weiter entlang des Weges geht es wieder tiefer in den Park mit hohem, waldartigem Baumbestand. Hier gibt es noch ein paar Skulpturen zu entdecken. Eine Projektarbeit, die sich harmonisch in die Landschaft einpasst.

Altwarmbüchener See

Altwarmbüchener See

Der Kanal ist einfach zu jeder Gewässer haben für mich etwas Faszinierendes und Erholsames. Deshalb mag ich den Altwarmbüchener See. Er ist ein unaufgeregtes schönes Stück Naherholung nicht weit von meiner Haustür entfernt. Ohne lange Anreise eben noch mal schnell raus, um eine Runde um den See zu drehen – manchmal sogar noch ein paar mehr. Egal ob nach der Arbeit, vorm Samstagseinkauf, zum Plausch mit einer Freundin oder als Sonntagsspaziergang: für mich passt der Altwarmbüchener See immer, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit.

Das ist aber auch eine Frage der Haltung und persönlichen Einstellung. Denn ich höre schon einige, die den See kennen, lauthals protestieren, dass es dort im Sommer so unmöglich voll sei, mit unmöglichen Menschen, die hemmungslos baden, grillen, grölen. Der See, der in den 80er Jahren entstand und am Westufer einen schönen breiten Sandstrand bietet, hat deshalb von einigen despektierlich auch den Titel „Rivera von Hannover“ erhalten.

Das mag stimmen. Aber alles hat zwei Seiten und so hat auch der See ein wunderschönes Ostufer, an dem es meistens recht ruhig ist. Zudem gibt es noch ein paar lauschige Abzweigungen, die in das umliegende moorige Naherholungsgebiet führen. Geht man ein paar Schritte aus dem Trubel heraus, ist man also schnell wieder mit sich und der Natur weitgehend alleine. Eine Erfahrung, die übrigens auch für fast jeden Waldparkplatz gilt. Noch eine andere See-Erscheinung trifft sicherlich auf geteilte Begeisterung: die Kanada-Gänse. Genau wie der Mensch mag nämlich auch dieses Federvieh die weiten Grasflächen entlang des Seeufers. Im Frühjahr kann man daher ganz viele Gänsefamilien mit ihrem flauschigen Nachwuchs am Ufer beobachten und ihnen beim Fressen, beim Watscheln und Schwimmen lernen, aber buchstäblich auch beim Wachsen zuschauen. Was in Klein noch ganz niedlich zu betrachten ist, wandelt sich schnell zu einer ordentlichen Armee ausgewachsener schwarz-braun-weiß gefiederter Wasservögel. Und die lassen dann ganz ordentlich was hinter sich, auch auf den Wegen am See.

Vorsicht also, wohin man tritt. Aggressiv sind die Tiere normalerweise nicht, auch wenn sie manchmal fauchen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Wenn man sie in Ruhe lässt und weder seine Kinder noch seine Hunde auf sie los lässt, ist ein friedliches Miteinander die absolute Regel.

Mein absoluter Wohlfühlmoment im Sommer am See: wenn ich mich einfach auf eine Bank oder eine Wurzel am Ufer hinsetze und aufs Wasser schaue, mich mit dem Rücken an einen Baum lehne und dann ein bisschen in einem richtigen Buch mit echten Seiten aus Papier lese.

Stadtpark Hannover

Stadtpark Hannover

Der Stadtpark Hannover beim Hannover Congress Centrum gelegen, wurde mir tatsächlich mal von einer Freundin für ein gemeinsames Treffen vorgeschlagen. In vier Jahren Hannover hatte ich von diesem schönen Park noch nichts gehört und stellte fest, dass es vielen anderen ähnlich geht. Schade und auch überraschend eigentlich, denn es ist ein wunderschöner Park, den es mehr als hundert Jahre lang gibt. Eine wahre Freude für Blumen- vor allem Rosenliebhaber und Gartenfreunde, aber auch zum „einfach mal vorbeischauen“ sehr hübsch. Der Park wirkt sehr stimmig, teilweise allerdings auch ein wenig artifiziell, also sehr planerisch. Das ist allerdings kein Wunder, denn er wurde mehrfach generalstabsmäßig von Gartenbauexperten geplant. 1951 fand hier die allererste Bundesgartenschau statt.

Besonders gut gefällt mir der Rosengarten mit seinen wunderbaren Rosensträuchern und -stöcken und dem Hinweis auf den alten Rosenstammbaum. Zudem gibt es eine Reihe Wasserbecken mit Wasserspielen zu entdecken, die auch bei gefiederten Wasserfreunden sehr beliebt sind. Sehr schön ist auch der kleine japanische Garten im Park mit dem japanischem Teehaus. Ein Geschenk der Partnerstadt Hiroshima an Hannover.

Und wie in vielen Parks, gibt es auch im Stadtpark Hannover die eine oder andere Skulptur zu besichtigen. So zum Beispiel die Kraniche aus Bronze, aber auch so einige Exemplare, die – aus meiner Sicht – von zum Teil recht fragwürdiger Schönheit sind. Aber irgendwie gehören auch sie zum Gesamtbild.

Tiergarten in Kirchrode

Tiergarten Kirchrode

Der Tiergarten in Kirchrode ist einfach ein wunderschöner alter Park, in dem es immer etwas zu entdecken gibt. Vor allem im Sommer besticht der mächtige Laubbaumbestand mit vielfältigen Grüntönen und den zuweilen skurrilen Stamm- und Astformen. In den Tiergarten gehen und einfach eintauchen, ist wie ein kleiner Urlaub im Grünen mitten in der Stadt, ohne dass man weit fahren muss. Hier ist es ruhig – okay, je nach Windrichtung hört man die Züge der nahen Bahnlinie. In jedem Fall ist es weitläufig und selten überfüllt.

Der Tiergarten ist das älteste Wildgehege Deutschlands. Er diente einst den hohen Herrschaften zur Jagd, wurde aber bereits Ende des 18. Jahrhunderts für die Allgemeinheit geöffnet. Der Baumbestand im Park ist daher zwangsläufig auch sehr alt. Die Eiche links neben dem Haupteingang ist angeblich 650 Jahre alt – manche sagen sogar 1000 Jahre. Aber noch viele andere Laubbäume sind einfach toll anzuschauen. Häufig sieht man übrigens ganz gut, wie hoch hier die Hälse der Hirsche reichen, um an das leckere Grün zu gelangen.

Im Tiergarten triff man auf Damwild, das frei herumläuft sowie auf Rot- und Schwarzwild, das in großzügigen Gehegen gehalten wird. Vor allem das Damwild aus der Ferne frei und entspannt auf der Wiese zu beobachten, hat für mich etwas überaus Beruhigendes und zugleich Respekt gebietendes.

Eine große Attraktion sind immer wieder die jungen Frischlinge. Eine kleine gestreifte Rasselbande, die munter im Lehm spielen darf – echte Drecksferkel eben! Aber auch die ausgewachsenen Wildschweine sind sehr beeindruckend. Bei ihnen bin ich dann doch ganz froh, dass ein Zaun zwischen uns ist.

Auch darüber hinaus kann man als aufmerksamer Besucher im Tiergarten ein reges Tierleben beobachten, so zum Beispiel viele Eichhörnchen, vielleicht auch einmal einen Fuchs oder Dachs. Wer konzentriert in die Luft und in das Blattwerk der Bäume schaut, wird dort eine mannigfaltige Vogelwelt entdecken, mit Eichelhähern, vielen Spechtarten, Turmfalken, diversen Finken und Meisen und mehr.

Das ist unsere Gastautorin:

Monika liebt die Natur. Sie ist gerne in der Region unterwegs, wandert im Harz oder im Deister, stöbert durch Hannover und ist immer auf der Suche nach den schönsten Plätzen. Die stellt sie uns natürlich regelmäßig vor. Wir dürfen also gespannt sein, wo sie uns als Nächstes hinführt!